Expertin für verkörperte Führung
Trainerin & Mentorin
Welches Menschenbild führt uns?
Ein persönlicher Leseimpuls zu:
„Im Grunde gut - Eine neue Geschichte der Menschheit“
von Rutger Bregman
Welches Menschenbild wird in der Art sichtbar, wie Du Verantwortung übernimmst und anderen Verantwortung zutraust?
Es gibt Bücher, die etwas in uns aufrichten. Weil sie uns zeigen, dass unser Blick auf die Welt weiter werden darf.
„Im Grunde gut“ ist für mich ein solches Buch.
Rutger Bregman geht Geschichten und Überzeugungen nach, die unser Bild vom Menschen geprägt haben.
Gerade dort, wo Ereignisse auf den ersten Blick vor allem von Egoismus, Gewalt oder Gleichgültigkeit erzählen, fragt er genauer: Was ist tatsächlich geschehen? Welche Zusammenhänge fehlen? Und trägt die Schlussfolgerung, die wir daraus gezogen haben?
Mich berührt, wie dadurch immer wieder etwas anderes sichtbar wird: Hilfsbereitschaft. Verbundenheit. Menschen, die füreinander einstehen. Die Fähigkeit, selbst unter schwierigen Bedingungen gemeinsam etwas zu tragen.
Das macht mir Mut.
Dabei gehört für mich auch das Dunkle zum Menschsein: unsere Angst, unser Machtstreben, unsere Bereitschaft, andere auszugrenzen. Diese Seiten anzuerkennen und Verantwortung für sie zu übernehmen, gehört zu einem ehrlichen Menschenbild. Gleichzeitig können wir bewusst die Bedingungen stärken, unter denen Vertrauen, Mitgefühl und Zusammenarbeit wachsen.
Hier liegt für mich die Verbindung zur Selbstführung - und zur Führung von Unternehmen, Teams und Organisationen.
Denn wir bringen immer ein Bild vom Menschen mit. In ein Gespräch. In ein Meeting. In die Entscheidung, ob wir eine Aufgabe abgeben und wie viel Handlungsspielraum wir dabei ermöglichen.
Traue ich anderen zu, Verantwortung zu übernehmen? Was unterstelle ich jemandem, der einen Fehler macht? Und kann ich nach einer Enttäuschung noch wahrnehmen, wo Vertrauen verdient ist?
Unsere Antworten werden im Alltag spürbar: darin, wie wir zuhören, Erwartungen aussprechen, Entscheidungen treffen und mit Fehlern umgehen.
Für mich gehören Vertrauen und Klarheit zusammen. Verantwortung braucht einen verständlichen Rahmen, passende Entscheidungsbefugnisse und verbindliche Absprachen. Menschen brauchen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Schwierigkeiten anzusprechen und aus Erfahrungen zu lernen.
Auch darin zeigt sich, ob unsere Werte im Alltag tragen.
Selbstführung beginnt für mich deshalb ebenso bei der Frage: Welche Erfahrungen prägen meinen Blick - und wird dieser Blick dem Menschen gerecht, der mir heute gegenübersteht?
Ich nehme aus diesem Buch Hoffnung mit.
Und die Bereitschaft, genauer hinzusehen.
Das Gute wahrzunehmen, ihm Raum zu geben und selbst etwas dazu beizutragen.